Bikeschool

Über Bikepool zur Bikeschool

Bikepool-Hessen: Was steckt dahinter?

Zu den bedeutenden Aufgaben des Schulsports zählt die Entwicklung eines die Schulzeit überdauerndes Interesse am lebenslangen Sporttreiben; da-bei kommt dem Radsport eine hohe Bedeutung zu. Er ist grundsätzlich einfach durchführbar und mit relativ geringen Folgekosten verbunden. Die Tatsache, dass das Land Hessen über ca. 2500 km Radwege verfügt und seit 2003 jährlich 8 Millionen Euro für den Ausbau der Radwege zur Verfügung stellt, unterstreicht die große gesellschaftliche Relevanz des Radfahrens als Breitensport.

Im Schulalltag jedoch treffen die Lehrkräfte auf vielfältige Schwierigkeiten, wenn sie Fahrräder im Sportunterricht einsetzen wollen. Die Lehrkraft findet meist folgende Gegebenheiten vor: Einerseits begegnet sie sehr unterschiedlichem Material, andererseits sind die Fahrräder der Schüler häufig in einem desolaten Zustand oder Kinder in sozialschwachen Familien oder Familien mit Migrationshintergrund besitzen überhaupt keines mehr und leihen sich diese bestenfalls aus. Dies ist mithin ein Grund, weshalb der Einsatz von Fahrrädern im Schulsport, Wahlpflichtunterricht oder Ganztagsangebot nur selten betrieben werden kann.

Durch die Mountainbikes aus dem Bikepool können nun gleiche materielle Voraussetzungen an den teilnehmenden Schulen (Bikeschools) geschaffen werden, die hochwertigen Räder befinden sich in technisch tadellosem Zustand und verfügen über einen enormen Aufforderungscharakter.

Von durchweg positiven Erfahrungen mit dem Projekt können die Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern berichten. Allein in Bayern kamen jährlich zwischen 10 und 17 Standorte hinzu, sodass mittlerweile ca. 70 Standorte aufgebaut wurden.

Welcher Nutzen, welche Lernziele sind damit verbunden?

Durch den ständigen Kontakt mit der Natur bieten wir unseren Schülern die Gelegenheit, diese zu erfahren und ein Teil von ihr zu bleiben, indem sie ein Verantwortungsbewusstsein für unsere Umwelt entwickeln. Ein bewusster Umgang mit der Natur ist nur durch ein bewusstes Erleben – hier durch das Radfahren – derselben zu erreichen. Hierzu bietet das Gelände rund um Alsfeld und seinen Radwegen ideale Voraussetzungen.

Welche Folgen mit einer ökologischen Entfremdung verbunden sind, wird unter anderem an den alarmierenden Zahlen der Kinderärzte und den Schuleingangsuntersuchungen hinsichtlich Übergewicht, Organ- und Haltungsschwächen der Schüler deutlich. Mit dem Projekt Bikeschool können wir es schaffen, durch Freude am Radfahren ein Gesundheitsbewusstsein bei den zukünftigen Arbeitnehmern zu entwickeln und sie gleichzeitig befähigen, ihre Gesundheit zu fördern bzw. zu erhalten.

Ferner bestehen unsere Ziele darin, eine Erweiterung ihrer sozialen Kompetenzen herbeizuführen, die häufig im alltäglichen Schulbetrieb zutage treten. Durch das gemeinschaftliche Fahren oder Arbeiten in der Gruppe bei Reparaturen und Wartungsarbeiten lernen die Kinder und Jugendlichen ihre Teamfähigkeit auszubilden, d.h. sie sind in der Lage, sich in eine Gruppe einzuordnen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten sich gewinnbringend für das Team einzubringen. Gleichzeitig wird durch das Pflegen und Warten ihres Fahrrades ihre Eigenverantwortung geschult.

Dazu beitragen soll obendrein die mit dem Projekt verbundene Fahrradwerkstatt. Durch die Wartung, welche durch die Kinder erfolgt, lernen sie zusätzlich grundlegende Fertigkeiten des Montierens sowie die Fachbegriffe der Werkzeuge kennen und schulen ihr technisches und handwerkliches Geschick. Auf diesem Wege können die Schüler und Schülerinnen herausfinden, ob ihnen ein handwerklicher Beruf gefallen könnte.

Wie kann man die Räder im Schulsport sinnvoll einsetzen?

Die Möglichkeiten sind sehr vielfältig und an die schulspezifischen Möglichkeiten individuell angepasst: Sportarbeitsgemeinschaften oder Wahlpflichtunterricht, evtl. Teilnahme an Mannschaftswettbewerben Mountainbiken, Sporttage, Projekttage, Radsporttage, Radtouren, Radsportabzeichen, Verkehrserziehung und Fahrradprüfung, Schullandheimaufenthalte mit sportlichem Schwerpunkt, Suchtprävention, erlebnispädagogische oder fächerübergreifende Ansätze (z. B. Sport und Umwelt, Gesundheitsaspekte, Trainingslehre, Biomechanik).

Die Albert-Schweitzer-Schule betreibt die Umsetzung des Projekts Bikeschool zur Zeit im Rahmen von Wahlpflichtunterricht, einer AG und zuweilen ein- bis mehrtägiger Radausflüge. Um die Nachhaltigkeit des Projektes zu sichern, hat die Albert-Schweitzer-Schule im Laufe der letzten Jahre bereits sieben Lehrkräfte zu Fortbildungen zum Radfahren und Mountainbiken an der Schule freigestellt.

Die offizielle Zertifizierung der ASS als Bikeschool mit Leben füllen
Rückblick

2011/12 waren wir eine der ersten Schulen in Hessen, die sich einen Pool von immerhin 17 Mountainbikes zulegte, um damit das Radfahren in der Schule zu thematisieren im Rahmen des Bewegungsfeldes „Rollen, Gleiten, Fahren“.

In dieser Zeit gab es erste Fortbildungsangebote der ZFS für Lehrer zum Radfahren und der Verein „bikepool hessen“ wurde gegründet.

Seither haben an unserer Schule sieben Kollegen Fortbildungen im Radfahren und Mountainbiken absolviert.

Nach anfänglicher Integration des Sportgeräts Fahrrad vor allem in den Oberstufenunterricht entwickelte sich die Nutzung auch hin zu Projekttagen, Wanderfahrten und Ausflügen von Sportleistungskursen und Sportklassen, AG-Blockveranstaltungen mit Schwerpunkt Radtouren und AG-Angeboten auch für jüngere Jahrgänge, die sich verstärkt dem Mountainbiken widmeten.

AG Mountainbiking bedeutete z.B.

Fahrtechniktraining, also Training von Balance auf dem Rad,, Schalten, Bremsen, Kurvenfahren, Überwinden kleiner Hindernisse, sicheres Bergauf- und Bergabfahren u.a.,

Tourenplanung mit Kartenmaterial oder auch mit Routenplanersoftware,

Fahrradtechnik und Pannenhilfe,

Fahren in der Gruppe.

Aber auch der Name „Wilde Hilde“ prägte zum Beispiel im Jahr 2016 die AG-MTB.

Die Schüler haben sie so getauft nach vielen, vielen Stunden planerischer und handwerklicher Arbeit, die sie mit tatkräftiger Unterstützung unseres Hausmeisters Herrn Hochberger selbst geleistet haben. Sie ist ein kleines sog. Bikepark-Element aus Holz, das eine Art befahrbare Welle darstellt. Sie erfordert Mut und etwas fahrerisches Geschick und bereitet so auf größere Herausforderungen im Gelände vor. Die Kinder erschufen so also mit Geduld und Spucke selbst etwas, haben die Möglichkeit, sich mit dem Produkt zu identifizieren und können es anschließend umso freudvoller nutzen.

Auch ein Mehrtagesausflug mit Erkundung und Bewältigung von unbekanntem Mountainbike-Gelände in Lauterbach und Umgebung, mit Einschätzen von Risiken und gegenseitiger Unterstützung an kniffligen Stellen war Teil der gemeinsamen AG-Zeit.

Im Jahr 2017 standen im Rahmen der MTB-AG neben oben Genanntem auch die Renovierung und Einrichtung der ehemaligen Hausmeisterwohnung als neues Rad-Lager auf dem Programm und auch der neue Pumptrack erforderte besonderen Einsatz, da er u.a. mit schwerem Gerät (Rüttelplatte) nach dem Winter wieder befahrbar gemacht werden wollte und zuweilen das Unkraut schneller wuchs als wir die Strecke befahren oder sie anderweitig davon befreien konnten.

Bikeschool-Zertifizierung und Pumptrack

Pumptrack – Ja, diese Erdhaufen oberhalb des Lehrerparkplatzes. Da fragte sich die gute Nachbarin einst: „Wann werden denn die wieder abtransportiert???“

Die bleiben erstmal und sie stellen eine Fahrradtrainingsstrecke dar, in der man unendlich Kreise und Achten drehen und verschiedenste Wege und Richtungen einschlagen kann. Auf dieser Strecke erproben seit September 2016 Schüler und Lehrer der ASS, ob sie sich zunächst einmal überhaupt mit dem Rad in hügeliges Gelände mit wilden Kurven trauen, wie weit sie kommen ohne zu treten und wer dabei am meisten Geschick und Puste hat.

Wir freuen uns riesig, dass es unserer Schule nicht nur beschieden war, den bestehenden Fahrrad-Pool im September 2016 mit der offiziellen Zertifizierung als Bikeschool um 14 hochwertige neue Cube-MTBs ergänzt haben zu können (der AOK und Bikepool Hessen sei Dank), sondern darüber hinaus auch noch die einzige Schule in Hessen zu sein, die als sportliches Highlight Schülern einen Pumptrack auf ihrem Gelände bieten kann.

Initiator des Projekts „Pumptrack“ war Herr Miron. Er ist auf das Crowdfunding-Projekt der VR-Bank Hessenland aufmerksam geworden und hatte die Idee für einen Fahrradpark mit Pumptrack und betreute das crowdfunding-Projekt bis zur Umsetzung. Dank unserer Schulleitung und Dank vieler Unterstützer und Sponsoren, die sich im Kleinen wie im Großen am Fahrradgelände und am Projekt Bikeschool beteiligt haben, kann die Albert-Schweitzer-Schule seither auch ortsnah Koordination und Kondition im Mountainbikefahren trainieren.

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Wir haben also tolle Räder mit großem Aufforderungscharakter und eine schnittige Pumptrack-Strecke, die die Jugendlichen auf die Piste lockt.

Beides bietet den Schülern neue sportliche Herausforderungen an der frischen Luft und das direkt vor Ort und haucht dem altbewährten Fortbewegungsmittel „Drahtesel“ modernes Leben ein.

Das sehen wir als unsere Möglichkeit über den Spaß am Trendsport Mountainbiking junge Menschen zum lebenslangen Sporttreiben zu befähigen und zu ermuntern.

Schüler auf die Räder und in Bewegung bringen, das ist unsere Vision!

  • Sich sicher umweltfreundlich fortbewegen, d.h. z.B. auch das Familientaxi schonen,
  • Selbstvertrauen schöpfen aus der Bewältigung von Wagnissen,
  • sich motorisch und konditionell entwickeln und gesund bleiben.

Das sind gute Aussichten an einer Bikeschool!