• Verfasser: Traudi
  • Thema: Allgemein
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Aktivposten seit vielen Jahren: der Austausch mit Lyzeum Kaliningrad

Schon seit knapp zwanzig Jahren steht er regelmäßig auf dem Programm der Albert-Schweitzer-Schule: der Austausch mit dem Lyzeum mit Internat Kaliningrad. Völkerverständigung, Horizonterweiterung, das Zurechtfinden in einem anderen Land mit einer fremden Sprache – all das sind die Beweggründe dafür, dass sich in regelmäßigen Abständen Jugendliche aus der russischen Exklave zwischen Polen und Litauen und Jugendliche aus Alsfeld hier wie dort treffen. Ende September besuchte nun erneut eine Gruppe Schülerinnen und Schüler der Albert-Schweitzer-Schule gemeinsam mit den Lehrkräften Aribert Ley, Jean Rossa und Marc Schönhals Kaliningrad und die Kurische Nehrung. Höhepunkt der Reise war der erstmalige Besuch einer deutschen Schulklasse in einer mit EU-Geldern geförderten Agrargenossenschaft, einem deutsch-russischen Zukunftsprojekt.

Der Aufenthalt begann zunächst auf der Kurischen Nehrung. In diesem einmaligen Landstreifen, halb russisch, halb litauisch, waren die Schülerinnen und Schüler auf einer Forschungsstation der russischen Marine am Kurischen Haff untergebracht und entdeckten dort mit der Siedlung Lesnoi die schmalste Stelle der Nehrung: Vom Haff bis zur Ostsee sind es hier gerade mal 380m. Neben dem berühmten Thomas-Mann-Haus gab es auf der Nehrung für die 15- bis 17-jährigen Gäste viel zu entdecken: den „Tanzenden Wald“, dessen Geheimnis die russische Regierung gerne für sich behalten würde, die Vogelwarte Rybatschi und die Parnidis-Düne im litauischen Gebiet. Auch die Epha-Düne auf der russischen Seite der Nehrung haben sich die Jugendlichen angesehen – hier hat man das Gefühl, man sei in der Sahara, berichteten sie, denn man sieht, wohin man auch schaut, nur Sand!

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Einen kleinen Einblick in das Schaffen Immanuel Kants gab es für die Schülerinnen und Schüler an der gleichnamigen Universität in Kaliningrad

Den zweiten Teil der Studienfahrt verbrachte die Gruppe in Kaliningrad bei Gasteltern. Auf dem Programm standen unter anderem eine Verlesung an der Immanuel-Kant-Universität sowie eine Praxisübung mit Experimenten im Labor der Hochschule und eine Projektarbeit im Lyzeum mit dem Schwerpunkt „Ökologie in der Großstadt“.

Gerade in politisch sehr komplizierten Zeiten war der Austausch deutscher und russischer Jugendlicher sehr fruchtbar, betonte Jean Rossa. Die jungen Leute waren in den Gesprächen untereinander sehr offen und ehrlich – eine auffallende und sehr erfreuliche Geste angesichts der schwierigen Lage.

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Riesengroß: die Schülerinnen und Schüler aus Alsfeld bestaunten die Dimensionen der Agargemeinschaft in Kaliningrad

Einen ganzen Tag lang verbrachte die Gruppe in der Agrargenossenschaft in der Region Salesje. Aus vielen ehemaligen Bauernhöfen und Gehöften der Region „Polesski Rayon“ wurde diese Genossenschaft gebildet, unterstützt wird dieses deutsch-russische Projekt aus EU-Fördermitteln. Ziel der Kooperative ist es, das einst sehr fruchtbare Land Kaliningrads, vor dem Zweiten Weltkrieg die „Kornkammer Deutschlands“, wieder zu beleben. Nach 1945 lagen große Teile des Landes brach, die Böden versteppten. Wenn überhaupt, gab es nur sehr kleinbäuerliche Betriebe in der Region. Mit einem vielfältigen landwirtschaftlichen Programm – Anbau von Getreide, Tierzucht, Milchviehhaltung – will das Joint Venture aus deutschen, russischen und litauischen Agraringenieuren die Kapazitäten dieses fruchtbaren Landstrichs wieder nutzbar machen. In Größenordnungen von bis 2.500 Stück Milchvieh wird hier produziert. Nach und nach werden die alten Anlagen modernisiert – viele von ihnen sind heute schon auf einem hohen Niveau hinsichtlich Effizienz, Tierschutz und Hygiene, wie die deutschen Schülerinnen und Schüler während ihrer Besichtigung erfuhren. So war es erster Linie auch die Größe der Betriebe und die Weitläufigkeit des Acker- und Wiesenlandes, das die deutschen Gäste sehr beeindruckte. „Eine solche Weite sprengt unsere Vorstellungskraft“, fasste Jean Rossa das Erlebte zusammen. Während schon einige Organisationen sich dieses Projekt in Kaliningrad angeschaut haben, waren die Albert-Schweitzer-Schüler die erste Schülergruppe, die sich für dieses Mammutvorhaben interessiert hat. Selbst eine Hirschzucht und ein Hotel gehören zu diesem Betrieb, der zahlreiche Menschen in der Region beschäftigt und mit dem Ziel, das landwirtschaftliche Potenzial von „Polesski Rayon“ wieder auszuschöpfen, einen ehrgeizigen Plan verfolgt. Der Besuch der dazugehörigen Höfe rundete das Bild der Schülerinnen und Schüler von Kaliningrad und der Kurischen Nehrung ab: Neben vielen Gesprächen, theoretischen Vorträgen und viel Praxisarbeit lernten sie eine für sie sehr ungewöhnliche Form der Landwirtschaft kennen.