• Verfasser: Traudi
  • Thema: Allgemein
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…alles ganz normal, oder?

Menschen mit Bedürfnissen, Menschen mit Handicap oder Sorgenkinder – Wie ist ihr Leben? Und sind sie wirklich Sorgenkinder?

Das hatten wir von der Presse-AG der Albert-Schweitzer-Schule uns als Thema vorgenommen. Wir haben im Internet recherchiert, waren in der Brüder-Grimm-Schule in Alsfeld und haben mit behinderten Kindern gesprochen. Und mit einer Mutter. Wir kamen auf dieses Thema, weil einige von uns sich gefragt haben, wie das Leben als Mensch mit Behinderung ist und wie die Menschen damit zurechtkommen.

Fragen über Fragen

Welche Schwierigkeiten haben sie? Wie läuft der Alltag bei ihnen?
Dies wissen wir noch nicht! Aber um es heraus zu finden, haben wir uns auf den Weg gemacht. Zuvor jedoch hatten wir uns überlegt, was unsere Vorstellungen über Menschen mit Behinderungen sind.

Wir fragten uns, ob Menschen mit geistiger Behinderung mit uns sprechen könnten und ob sie sich anders verhalten würden als wir. Mache Kinder denken, sie wären etwas Besseres als Menschen mit Behinderung und machen sich über sie lustig, wenn sie etwas machen, was wir nicht tun wurden. Wir fragten uns, was es für Behinderungen gäbe oder was die Ursachen dafür sind. Manche von kannten schon behinderte Menschen aus der Schule oder dem Kindergarten und fanden, dass diese Kinder häufig offener und freundlicher sind als wir manchmal, dass sie aber auch manchmal Dinge erzählen, die sehr privat sind. Wir haben herausgefunden, dass manchmal während der Schwangerschaft die Mütter rauchen oder trinken. Dadurch kommt der Alkohol oder das Nikotin der Zigarette durch die Nabelschnur zum Baby und das ist schädlich für das Kind. Dadurch kann eine Behinderung entstehen. Ein weiterer Grund für eine Behinderung kann Sauerstoffmangel bei der Geburt sein oder eine Erkrankung der Mutter in der Schwangerschaft oder Röntgenstahlen. Ganz häufig jedoch gibt es keinen Grund, warum ein Kind mit einer Behinderung zur Welt kommt. Und noch viel häufiger kann man sich auch im Lauf des Lebens eine Behinderung zuziehen, nicht nur eine körperliche, sondern auch eine geistige, durch einen Unfall, eine Erkrankung oder manchmal auch durch eine Impfung. Geistige Behinderung können Down Syndrom, Autismus oder bestimmte Arten von Lernbehinderung sein.

Ziemlich viel also. Um uns ein weiteres Bild zu machen, fragten wir in der Brüder-Grimm-Schule. Dies ist eine Schule mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, die wir besuchen durften.

Unser Besuch in der Brüder-Grimm-Schule

Wir wurden von Till, Benedikt, Chiara und Marcel und der Schulleiterin Claudia Janich empfangen. Wir hatten auch Fragen vorbereitet und haben diese auch gestellt. Sie erzählten uns von ihrem Schulalltag: Die Klassen sind sehr klein (max. sechs bis acht Schülerinnen und Schüler) und in jedem Klassenzimmer gibt es eine Küche. Bei den jüngeren Schülern gab es eine kleine Spielecke. Ihr Unterricht besteht nicht in erster Linie aus Mathe, Deutsch und anderen Fächern, sondern sie haben andere Schwerpunkte. Die Schülerinnen und Schüler der Brüder-Grimm-Schule gehen zum Beispiel auch einkaufen, dies ist sehr praxisorientiert. Sie kochen auch zusammen, haben Spaß dabei und lernen dadurch, im Leben zurecht zu kommen. Die Schüler haben kleine und größere Dienste zu erledigen, wie z.B.: Spülmaschine ausräumen, Tisch abräumen nach dem Frühstück oder dem Mittagessen, und so lernen sie auch das. In den Pausen gibt es viele Aktivitäten für die Schüler, z.B.: Rutschen, im Sandkasten spielen, Schaukeln. Es gibt in der Schule auch einen Saftladen, wo es viele unterschiedliche Säfte und kleine Snacks gibt. Den Laden betreiben ältere Schülerinnen und Schüler, die anderen können dort einkaufen und lernen dadurch mit Geld umzugehen.

Am meisten hat es uns überrascht, dass es einen Raum mit einer Badewanne gibt. Keiner normalen Wanne, sondern einer Therapiewanne. Man kann darin nicht nur baden, sondern Musik hören, dazu gibt es Lichteffekte und man spürt den Bass im Wasser. Was wir auch noch nie gesehen hatten, war eine Aufstehhilfe für Kinder, die alleine nicht stehen können. Es ist doch einiges anders als bei uns an der Schule…
Ein großer Unterschied ist außerdem, dass die Schülerinnen und Schüler der Brüder-Grimm-Schule keinen Schulabschluss machen. Dennoch bleiben sie etwa bis zum 19. Lebensjahr in der Schule. Danach gehen sie arbeiten in Werkstätten für Menschen mit Behinderung oder in Unternehmen, die Menschen mit Behinderungen einstellen. Wenn sie erwachsen sind, können die Menschen mit Behinderung natürlich auch von zuhause ausziehen. Für sie gibt es verschiedene Möglichkeiten, z.B. Wohnheime, Wohngemeinschaften oder Betreutes Wohnen.

Besuch aus der Brüder-Grimm-Schule

Am 23.3.2015 kamen Marcel, Till und Killian zusammen mit ihrer Schulleiterin Claudia Janich aus der Brüder- Grimm -Schule zu uns in die Albert-Schweitzer-Schule. Sie hatten uns bei sich toll herumgeführt, dass wir auch sie gerne einladen wollten.

Wir warteten gemeinsam mit unserer Schulleiterin Elisabeth Hillebrand am Haupteingang der Schule auf sie. Da keiner dieser Schüler gehbehindert war, haben wir beschlossen, auf den Schulturm zu gehen. Wir fanden die Aussicht alle toll, schließlich gehen auch wir nur zu ganz besonderen Anlässen dorthinauf. Man konnte ganz Alsfeld sehen. Auf dem Dachboden im Turm schrieben wir dann unsere Namen an die Holzwand. Später spielten wir auf dem Schulhof Gießkännis. Das kannten die Brüder-Grimm-Schüler natürlich noch nicht, da diese Sportart erst vor kurzem an der Albert-Schweitzer-Schule erfunden worden war. Aber da sie alle recht sportlich waren, war es kein Problem für sie und wir hatten viel Spaß dabei.

Zum Abschluss gingen wir dann in die Cafeteria und aßen Donuts und tranken Capri-Sonne in der Mensa. Die Zeit verging wie im Flug. Dann führten wir unsere Gäste noch bis zum Schultor und winkten ihnen zum Abschied nach. Ein Schulbus holte sie ab, denn sonst hätten sie es gar nicht mehr rechtzeitig geschafft. Wir hatten alle sehr viel Spaß, natürlich auch, weil wir keinen echten Schulalltag gezeigt haben!

Was haben wir erfahren?

Wir haben erfahren, dass die Kinder und Jugendlichen mit Behinderung sich selbst nicht als behindert empfinden. Am Anfang hat uns das gewundert, aber wir merkten schnell, dass sie damit rechthaben: sie haben einfach nur verschiedene Schwächen, mit denen sie lernen umzugehen. Und das ist ja irgendwie auch ganz normal. Wir haben gesehen, dass für Menschen mit Behinderung viele Dinge, die für uns selbstverständlich sind, schwierig sind. Häufig müssen sie sich viel mehr anstrengen als wir. Wir finden daher, dass die Gesellschaft solchen Menschen mehr Respekt entgegenbringen sollte. Uns wurde auch klar, dass wir die Schülerinnen und Schüler der Brüder-Grimm-Schule in vielen Dingen unterschätzt haben, dass sie viel mehr können, als wir erwartet hatten.

Was könnte man tun?

Uns ist aufgefallen, dass es für uns genauso schwierig war, auf die Brüder-Grimm-Schüler zuzugehen wie für sie, zu uns zu kommen. Wir fänden es daher wichtig, wenn wir uns alle viel besser kennenlernen könnten. Man könnte zum Beispiel beeinträchtigte und nicht beeinträchtigte Menschen bereits im Kindergarten zusammenbringen und später gemeinsame Schulprojekte organisieren. Es gibt viele Dinge, die man zusammen tun könnte, zum Beispiel ein Baumhaus bauen, eine Collage anfertigen oder ein Theaterstück einüben. Man könnte auch gemeinsame Fahrten organisieren oder Schülerpatenschaften übernehmen. Wenn man sich besser kennt, wird auf jeden Fall vieles leichter. Für beide Seiten.

Von Moritz Baier, Sandi Czupalla, Maria König, Angela Liu, Maria Schäfer, Valerie Soltau, Emilia Strempel, Stella Weitzel und Traudi Schlitt.