• Verfasser: Traudi
  • Thema: Allgemein
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Für mehr Gerechtigkeit in der Welt sorgen

Albert Schweitzer ist Namensgeber ihrer Schule – Themen, die mit dem afrikanischen Kontinent zu tun haben, stehen daher häufig auf dem Unterrichtsplan der Albert-Schweitzer-Schule. Vor wenigen Tagen konnten sich die Schülerinnen und Schüler der E-Phase von Hans Geißlhofer über das Thema des Landgrabbing in Afrika informieren lassen.

Hans Geißlhofer war mehr als 35 Jahre lang für Caritas und Misereor in Afrika tätig und hat dort überwiegend in Wasserprojekten gearbeitet. Heute ist er ehrenamtlich als Referent der Caritas tätig und ist Mitbegründer des Vereins „Space2live – Raum zum Leben – eine Initiative gegen Landrechtsmissbrauch“. Eingeladen hatte den Referenten das Homberger Familienzentrum. Cornelius Klein vom Bereich Jugend und Kultur hatte ihn in die Region geholt und Schulen und Jugendeinrichtungen angeboten davon zu profitieren. Die Albert-Schweitzer-Schule nutzte schnell diese Möglichkeit und bot den Schülerinnen und Schülern damit einen tiefen Einblick in ein gravierendes Problem des Kontinents.

Zunächst stellte der Referent den Alltag von Jugendlichen im Senegal vor. Wichtiger als der Schulbesuch ist dort für viele Kinder das Überleben: 30 Minuten laufen die Mädchen dort zur Wasserstelle, um mit vollbeladenem Eimer wieder zurückzulaufen – gar nicht so einfach, wie der Praxistest in der Aula der Albert-Schweitzer-Schule hervorbrachte und bei einem Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland von etwa 180 Litern auch gar nicht zu bewältigen.

Den Einstieg in das Thema Landgrabbing bildete ein Ausflug in die Geschichte, als Sklaverei und Kolonialismus den westlichen Ländern noch mehr Reichtum und Wohlstand brachten und die Menschen in Afrika immer ärmer machten. Heute, so der Referent, gebe es eine neue Art des Kolonialismus: Weil in vielen Ländern der Erde, so auch in Afrika, eingetragene und verbriefte Rechte auf Grund und Boden fehlen, ist es für Investoren sehr einfach, bislang nicht verbrieftes Land in großem Stil aufzukaufen und die dort traditionell ansässigen Landnutzer vertreiben.

Dabei gebe es ein Gewohnheitsrecht, nach dem Menschen, die Land über einen langen Zeitraum nutzen und bewirtschaften, dieses als ihr Eigentum ansehen dürften. Allein: kaum irgendwo ist festgehalten, wo sich entsprechende Dörfer und Ansiedlungen befinden, lediglich Aufzeichnungen amerikanischer Soldaten aus den 80er-Jahren geben Anhaltspunkte. „Ziel des Vereins „Raum zum Leben e.V.” ist, mit Hilfe von einfach anzuwendender GPS-Technologie und Satellitenbildern bestehende Gewohnheits- und Stammesrechte sowie Verstöße gegen diese traditionellen Rechte zu dokumentieren, um mit Hilfe von Unterstützern gegen Landnahme-Aktivitäten vorzugehen“, führte der Referent aus. Rund um die so dokumentierten Ansiedlungen von Menschen soll in einem Radius von 5 km das Gebiet für die Landbevölkerung geschützt werden. Das Schöne: alle Menschen können mitmachen und die Karte, wo immer sie eine menschliche Ansiedlung vorfinden, per GPS mit dem Handy vervollständigen.

Doch wer profitiert eigentlich vom Landgrabbing? Da sind zum einen die Palmöl- und Zuckerrohrindustrie sowie die Betreiber von Plantagen für Agrotreibstoffe. Eine von Geißlhofer zitierte Bachelor-Arbeit zeigt, dass das fruchtbare Land weitgehend für Plantagen abgezweigt wird, und für die kleinen Bauern in den Dörfern nur das unfruchtbare Land übrig bleibt. Ein weiteres großes Betätigungsfeld von Investoren ist die Ausbeutung von Vorkommen Seltener Erden, die für die Handyproduktion gebraucht werden. Hunderte von Dörfern sind davon betroffen, obwohl, wie Geißlhofer ausführte, die Rohstoffe aus alten, ausrangierten Handys längst ausreichen würden, wenn man sie separieren und wiederverwenden würde. Zusätzlich zum Landgrabbing durch Konzerne, Konsortien und Investoren kommt der Klimawandel: die zunehmende Versalzung von Land sorgt für weitere unfruchtbare Böden in den betroffenen Regionen.

„Unsere Arbeit soll die Ortschaften real machen, zeigen, dass dort, wo die Konzerne sich niederlassen, Menschen wohnen und dort leben müssen. Wir wollen Überschneidungen von Gewohnheitsrecht und Landvergabe sichtbar machen und Transparenz und Fairness fördern“, erläuterte Geißlhofer.

Mit seinem Vortag wollte der Referent auch das Bewusstsein der Jugendlichen dafür schärfen, dass die Welt miteinander verbunden ist, dass die Armut in Afrika mit dem Reichtum in Europa zusammenhängt, und dass diese Aufteilung nicht gerecht ist. Er warb bei den Jugendlichen für einen Einsatz in einer NGO wie Misereor oder Caritas und appellierte an die Anwesenden: „Es ist eure Aufgabe, für mehr Gerechtigkeit in der Welt zu sorgen.“

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Engagiert und mit viel Leidenschaft warb Hans Geißlhofer für mehr Einsatz für Gerechtigkeit in Afrika.