• Verfasser: Traudi
  • Thema: Allgemein
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„Ich dachte, meine Eltern machen da immer nur so ein Kreuz“

Am 6. März sind Kommunalwahlen. Gewählt werden die Ortsbeiräte, die Gemeindevertretungen und der Kreistag. „Diese Wahl ist die direkteste Wahl von allen“, erklärt Schulleiterin Elisabeth Hillebrand. „Die Themen betreffen die Menschen vor Ort, oftmals stellen sich bekannte Personen zur Wahl. Die Kommunalwahl ist wie gemacht dafür, jungen Leuten das Wesen der Demokratie nahezubringen.“ Aus diesem Grund hat die die PoWi (Politik- und Wirtschaft) – Lehrerin mit ihren Kursen der 8a und der Ee an diesem Thema gearbeitet. Die Ergebnisse stellten die Schülerinnen und Schüler nun im Rahmen einer Info-Veranstaltung in der Aula des Oberstufenstandortes in der Krebsbach ihren Mitschülerinnen und Mitschülern aus der Mittelstufe vor.

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Annabell Marker, Louise Lenth und Jane Allendorf moderierten den Vormittag kompetent und gutgelaunt.

Moderiert wurde diese interessante Stunde von Louise Lenth, Jane Allendorf und Annabelle Marker. Professionell führten die drei Oberstufenschülerinnen ins Thema ein und stellten die verschiedenen Gruppen vor, die einzelne Aspekte der Wahl erarbeitet hatten. „Ihr werdet sehen, dass es hier um mehr geht, als nur ein Kreuzchen zu machen“, prophezeiten sie den zahlreichen Gästen. Fakten zur Wahl hatte die erste Gruppe (Tim Klement, Jonathan Liebig, Max Stein) zu bieten: Wer darf wählen und wer darf gewählt werden? Wie setzen sich die einzelnen Gremien zusammen? Was sind die Aufgaben von Ortsbeirat, Kommune und Kreis? Die angehenden Wählerinnen und Wähler lernten, dass beispielsweise die Friedhofsordnung Sache eines Ortsbeirates ist, die Verwaltung des Schwimmbades oder der Stadtbücherei in die kommunale, hier die städtische Verantwortung fällt, und das Kreiskrankenhaus – wie der Name schon sagt – die Angelegenheit des Kreises ist.

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Sonst auf dem Marktplatz, dieses Mal auf der Bühne der Albert-Schweitzer-Schule: die Infostände der einzelnen Parteien.

Ein Rollenspiel an fiktiven Infotischen der Parteien A, B und C (vorbereitet und durchgeführt von Jessica Pfitzner, Elisa Swiercz, Gorr Gevorkyan, Adrian Euler, Isabel Weber, Alexander Boksgorn und Sophia Schipplich) brachte den potenziellen Wählerinnen und Wählern die Parteiprogramme nah. Alle drei äußerten sich zu den beispielhaft ausgewählten Themen Windkraft, Krankenhaus und Flüchtlinge. Während die Parteien A und C gemäßigte bis sehr soziale Kurse vertraten, war die Partei B diejenige, die sich gegen Flüchtlinge, gegen Windkraft und auch gegen das Kreiskrankenhaus aussprach.

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Die Ergebnisse ihrer Umfrage unter 2.000 Befragten stellte die Klasse 8a vor.

Die Klasse 8a schritt danach zur Wahl, die von Alexander Fröhlich, Niklas Schuchardt und Adrian Simon gut vorbereitet und ausgewertet wurde. Doch wie wird gewählt? Das ist auf kommunaler Ebene gar nicht so leicht: Man darf kumulieren, panaschieren und streichen. Was einerseits dem Wähler größtmöglichen Gestaltungsfreiraum hinsichtlich der Wahl bevorzugter Personen unterschiedlicher Parteien einräumt, ist ganz schön kompliziert. Denn für jedes Gremium hat der Wähler eine unterschiedliche Anzahl von Stimmen zur Verfügung, die er verteilen, aber nicht überschreiten darf. Er kann ganze Parteien wählen, daraus wieder Vertreter streichen und gleichzeitig Vertreter anderer Parteien wählen – sogar mit mehr als einer Stimme. Sehr gut aufbereitet hatte die Gruppe (Natascha Schwärzel, Nicole Kersten, Luisa Meinecke) diesen komplizierten Part und dabei selbst jede Menge gelernt: „Ich dachte, meine Eltern machen da immer nur so ein Kreuz“, sagten sie hinterher – Demokratie ist also gar nicht so einfach.

Eine weitere Gruppe (Laura Heil, Stefanie Grebe) erläuterte die Verfahren, die den Prognosen vor der Wahl, den Hochrechnungen am Wahlabend und der Berechnung der Sitze zugrunde liegen. Auch dieser Aspekt wurde transparent und verständlich dargestellt, sodass die Schülerinnen und Schüler am Ende sogar verstanden, warum für die Sitzverteilung manchmal auch eine Nachkommastelle wichtig ist.

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Wie würdest du wählen? Louise Lenth befragte das Publikum.

Als Vorbereitung für die Info-Veranstaltung hatten die Achtklässler eine große Umfrage gestartet. In ihrem Bekanntenkreis und unter Passanten auf dem Marktplatz hatten sie nach der Bedeutung der drei Beispielthemen gefragt. Als Ergebnis stellten sie fest, dass den meisten Befragten der Verbleib des Kreiskrankenhaues in den Händen des Kreises am Herzen liegt, sie der Argumentation pro Windkraft folgen können und glauben, dass zumindest in Alsfeld der Umgang mit Flüchtlingen gut gelingt – nicht zuletzt dank der vielen Ehrenamtlichen. Auch die Befragung im Publikum spiegelte diesen Eindruck wieder. Umso erstaunlicher war zum Abschluss der Veranstaltung das Wahlergebnis der 8a: Mehr als die Hälfte der etwa 14-jährigen Wählerinnen und Wähler hatten der Partei mit den extremsten Ansätzen ihre Stimme verliehen. Auf Nachfrage blieben die meisten dabei, dass ihre diesbezügliche Wahl ernstgemeint war, nur wenige hatten eine Spaßwahl gemacht. Blieben als Wahlgründe Protest und tatsächliche Überzeugung.

Elisabeth Hillebrand ging darauf ein und erklärte, dass auch Parteien, die aus Protest gewählt worden seien, demokratisch legitimiert sind und eine komplette Legislaturperiode wirken könnten. Nicht immer zum Guten. Interessant wurde die Diskussion, welche Meinungen man tolerieren müsse, auch wenn es nicht die eigenen seien. Demokratie ist also nicht nur an der Wahlurne schwierig, sondern auch in der politischen Willensbildung und in der Umsetzung im Alltag.

Eine wertvolle Erfahrung sicherlich für die jungen Leute – sowohl diejenigen, die informiert wurden, als auch für die, die die Veranstaltung vorbereitet haben. Sie haben mit- und voneinander gelernt und freuten sich über diese etwas andere Art von Unterricht, die ihnen diesen trockenen Stoff abwechslungsreich nahegebracht hat.

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Großes Interesse herrschte in der Aula der Albert-Schweitzer-Schule zur Info-Veranstaltung zur Kommunalwahl.