• Verfasser: Traudi
  • Thema: Allgemein
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„Meine Gemeinde ist hier!“

Für viele Kinder und Jugendliche hat das neue Schuljahr Veränderungen gebracht, doch nicht nur sie müssen sich ab und an auf Neuerungen einstellen, auch für die Erwachsenen tut sich manchmal Neues. So auch für Katja Dörge. Die Pfarrerin ist seit diesem Schuljahr die neue Schulpfarrerin und Schulseelsorgerin an der Albert-Schweitzer-Schule. Feierlich eingeführt wurde sie in ihr neues Amt im Rahmen des Gottesdienstes zum Schulstart in der vergangenen Woche von Schulamtsdirektor Karl-Heinz Lerch. Zuvor war sie Schulpfarrerin an der Theo-Koch-Schule in Grünberg; vielen Alsfeldern ist sie auch aus ihrer Zeit als Gemeindepfarrerin in Alsfeld bekannt. Ihr Einsatzgebiet hat sie sowohl am Standort des Gymnasiums an der Schillerstraße und in der Krebsbach, und inhaltlich ist das eine ganze Menge: Religionsunterricht, Gottesdienste und Schulseelsorge gehören dazu. Wie sie sich ihre Arbeit vorstellt und was es dazu braucht, erläuterte die Theologin in einem Gespräch.

Frau Dörge, Ihr Einsatzbereich umfasst drei wichtige Gebiete. Fangen wir mit der Schulseelsorge an. Wie werden Sie diesen Bereich ausfüllen?

Katja Dörge: Acht Stunden Schulseelsorge stellt die Schule in der Woche bereit – das ist ein hohes Gut und mehr als üblich. Für mich als Seelsorgerin mit einer Ausbildung in systemischer Familientherapie ist es zu Anfang wichtig, zu lernen, wie diese Schule als System funktioniert und welche Probleme, Erwartungen, Krisen und Positionen in diesem System auftauchen. Denn nur innerhalb dieses Systems liegt auch die Chance, diese Krisen zu bewältigen. Jeder hat Ressourcen, die er in das jeweilige System einbringen kann, auch wenn dies vielleicht nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist. Ich möchte den Jugendlichen und jungen Erwachsenen, aber auch den Kolleginnen und Kollegen helfen, indem ich sie ganz im biblischen Sinn bzw. wie Jesus es tat frage: ‚Was willst du, was ich dir tun soll?‘ Somit steht der Mensch im Mittelpunkt der Seelsorge, nicht die Erwartungen an ihn, nicht das, was er bringen soll, sondern das, was ihn ausmacht und das was er braucht.

An der Albert-Schweitzer-Schule existiert ja bereits eine sehr aktive Schulsozialarbeit. Wie sehen Sie sich in diesem Kontext?

Die Schulsozialarbeit mit Lehrkräften, Schulpsychologe, Experten der Sucht- und Drogenberatung und der Schulbezogenen Jugendarbeit ist in der Tat sehr gut aufgestellt, und es gibt auch Bedarf an der Schule für Interventionen vielfältiger Art. Für mich als Teamplayer ist es schön zu sehen, wie gut dies funktioniert, und ich freue mich darauf, in diesem Team mitzuarbeiten.

Was würden Sie sich für die Schulseelsorge wünschen?

Für mich ist es ganz wichtig, dass Schulseelsorge und Schulsozialarbeit eigene Räume an den Standorten haben. Schulseelsorge und Schulsozialarbeit gehen nicht auf dem Flur. Eine feste räumliche Anlaufstelle, auch mit festen Sprechzeiten, ist wichtig für diejenigen, die unsere Hilfe in Anspruch nehmen wollen. Eigene Räume bedeuten Vertrauen und Diskretion, Zuverlässigkeit und Wertschätzung.

Ein zweites Element Ihres Aufgabengebietes ist der Religionsunterricht. Was ist dabei für Sie wichtig?

Zum einen ist Religion ein abiturrelevantes Schulfach. Das heißt, dass der Lehrplan viel Inhalt vorgibt. Allerdings ist Religion ein Fach, in dem eins und eins nicht immer zwei ist, sondern auch fünf sein kann. Je nachdem, wir der oder die Einzelne darüber denkt. Und genau das ist es, was ich anregen möchte: Das Denken der Schülerinnen und Schüler über bestimmte Themen. Auf diese Gespräche freue ich mich. Für mich ist außerdem wichtig, im Religionsunterricht Freiräume zu schaffen, wo die Schülerinnen und Schüler sich besinnen können, was sie als Menschen ausmacht, was ihnen ihre Werte bedeuten, was ihnen Orientierung und Halt gibt. Dazu gehören auch Fragen zum Weltgeschehen.

Wie wichtig sind Pfarrerinnen und Pfarrer in der Schule überhaupt?

Ich kann aus langjähriger Erfahrung sagen, dass junge Menschen sehr affin sind für Fragen nach dem Sinn und für Glaubensfragen. Sie sind auf religiöser Spurensuche, wo auch immer sie diese hinführen mag. Die Frage nach dem Glauben beschäftigt sie genauso wie die nach Werten und Normen. Schulpfarrerinnen und –pfarrer sind daher sehr nötig und ein hohes Gut für die Schulgemeinde. Als ehemalige Gemeindepfarrerin kann ich an der Schule aus voller Seele sagen: Meine Gemeinde ist hier und ich freue mich auf sie.

Als Schulpfarrerin gestalten Sie ja auch Gottesdienste und Andachten. Wie stellen Sie sich diese vor?

Schon den Gottesdienst zum Schulstart habe ich trotz einiger Startschwierigkeiten sehr genossen, weil er von einem tollen Team gestaltet wurde: Lehrkräfte haben gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern dieses wichtige Ereignis für uns Neulinge mitgestaltet und gleich unter Beweis gestellt, dass sie nicht nur sehr gut, sondern auch sehr flexibel und aufgeschlossen sind. Mit diesem Team zu arbeiten, wird mir eine Freude sein, da ich es mag, wenn viele Menschen ihre Ideen und Stimmen einbringen.

Meine Vorstellung ist, neben den Gottesdiensten, die jetzt schon zum Schulanfang und zum Ende eines Schuljahres stattfinden, jahreszeitliche Gottesdienste oder Andachten zu veranstalten. Offenbar haben die Gottesdienste, die zu einem Übergang gehören, also zum Eintritt in eine neue Schule wie jetzt zum Start der neuen Fünftklässler, oder zum Ende der Schulzeit, wie der Gottesdienst für die Abiturienten eine besonders große Bedeutung. Allerdings kann man auch während des Schuljahres immer mal innehalten und darauf schauen, was vielleicht außerhalb des Schullebens gerade los ist. Das ist nicht die schlechteste Methode, um Menschen zu sich und ihren Stärken und Kraftquellen zu führen.

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Ihren ersten Einsatz absolvierte Pfarrerin Katja Dörge bereits gemeinsam mit der Schulgemeinde – zum Einschulungsgottesdienst der neuen Fünftklässler.

(Beitrag von Traudi Schlitt)