• Verfasser: Traudi
  • Thema: Allgemein
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Schüler fordern mehr Information und Transparenz

Wieder liegt einer der heißesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen hinter uns. Für die meisten Menschen in der Tat ein untrügliches Zeichen für den Klimawandel. Maßgeblich dafür verantwortlich ist der enorme CO2-Ausstoß. Untersuchungen belegen, dass der CO2-Wert in der Atmosphäre heute um ein Vielfaches höher als man es aus der gesamten Erdgeschichte kennt. Ein Grund also, dem Thema Energiewende auch an Schulen Raum zu geben – in einer aktuellen Runde kam die Albert-Schweitzer-Schule dieser Verantwortung nach.

Die aktuellen Runden richten sich an die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe. Ausgewählte Politik-und-Wirtschaft-Kurse bereiten das Thema vor, präsentieren verschiedenste Aspekte ihren Mitschülern und laden ein zum ergebnisorientierten Diskutieren.

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Den Einstieg in den komprimierten Energietag machte ein provokanter Demonstrationszug – Menschen, die alle gegen irgendeine Form der Energiegewinnung sind: gegen Atomkraft, gegen Windkraft, gegen Stromtrassen. Wo sind die Befürworter einer Energieform? Und warum ist so schwer, einen Konsens zu finden? Wieso glaubt eigentlich jeder, er könne Energie nutzen – ohne Einbußen in der eigenen Komfortzone zu erleiden? Die Frage aller Fragen war schließlich: Wie könnte man es machen? Eine Annäherung aus verschiedenen Perspektiven stand auf dem Plan, die in verschiedenen Workshops erarbeitet wurden: Was kostest Energie? Welche erneuerbaren Energien haben wir? Wo liegen die Vor- und Nachteile? Wie sieht das Bild in den Medien aus? Für großes Interesse an diesem Energietag an der Albert-Schweitzer-Schule sorgten drei Schülerinnen aus Eschwege. Sie hatten mir ihrer Präsentation „Wie gelingt die Energiewende?“ vor kurzem den Schülerwettbewerb „Präsentieren und Gewinnen“ der Frankfurter Rundschau gewonnen und stellten ihre Ergebnisse dar: Wind sei der Energiegarant der Zukunft. Bereits bis zum Jahr 2050 sei ein kompletter Umstieg auf 100% regenerative Energien möglich, allerdings nicht, wenn die Regierung an dem heutigen Tempo festhalte.

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Ein weiteres Aufgabenfeld auf der Agenda richtete den Blick in die Zukunft: „Wie sollte die Energieregion Vogelsberg aussehen, damit ich nach meiner Ausbildung hierher zurückkomme und mich wohlfühle?“ Eine schwierige Frage an die 16- bis 18-Jährigen, die sich viele Visionen angesichts übernommener Vorbehalte und Machbarkeitsstudien lieber versagten: zu teuer, zu unbeliebt, zu ungesund! Und was könnte tatsächlich gehen? Als Experte stand den Schülerinnen und Schülern Lorenz Kock vom Amt für den ländlichen Raum und Daseinsvorsorge zur Verfügung. Als Vorstandsmitglied der Energiegenossenschaft Vogelsberg verfügt er über ein großes Wissen zum Thema erneuerbare Energie, gerade auch in der Region. Schon heute, führte Kock aus, decke der Kreis seinen Energiebedarf zu 100% aus regenerativen Quellen. Allerdings reichen diese noch nicht für die Versorgung des Umlandes. Dafür werde wohl das Doppelte nötig sein. Am wirtschaftlichen Erfolg des Wandels von fossilen und atomaren hin zu regenerativen Energieformen sollten die Kommunen und die Menschen in den Lieferregionen unbedingt teilhaben, so Kock. „Man kann von der Energiewende profitieren.“

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Am Ende eines informativen, heiß diskutierten Tages stand die Erkenntnis der jungen Erwachsenen: Das Thema Energie und Energiewende wird eines der wichtigsten Zukunftsthemen bleiben. Für alle, die gesellschaftliche Teilhabe ausüben wollen, wird es von großer Bedeutung sein. Und das wollen die meisten Schülerinnen und Schüler, wie sie bekundeten, auch wenn sie wenig Gestaltungsspielraum erkennen. Letztendlich werde es wohl in der Tat auf Windkraft hinauslaufen, so die Prognose, auch wenn dies zu Einschnitten und Zugeständnissen führen werde. Um sich darüber allerdings eine abschließende Meinung zu bilden, fehlte es den jungen Leuten an Transparenz. Diese und mehr differenzierte Information zum Thema wünschten sie sich von Seiten der Verantwortlichen.

Selbst Verantwortung übernehmen können die Jugendlichen und jungen Erwachsenen bald am Vogelsberger JugendKlimaGipfel, der am 17. und 18.10. in Lauterbach stattfindet.