• Verfasser: Traudi
  • Thema: Allgemein
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Spiel zwischen Emotionen, Vorurteilen und Toleranz

Wann beginnt Toleranz und was muss ich tun, um tolerant zu sein – diese Fragen gingen dem Theaterstück voraus, das der Kurs Darstellendes Spiel der Q2 der Albert-Schweitzer-Schule in diesem Jahr unter der Anleitung von Veronika Saez einstudiert hat. Vorbereitend dazu recherchierten die Oberstufenschüler über vorhandene Stücke zum Thema Toleranz und entwickelten im Anschluss ihr eigenes Stück. Protagonisten sind eine deutsche und eine türkische Familie – die eine, konservativ bis rechtsradikal, die andere verhaftet in alten Traditionen, die nicht in die westliche Welt zu passen scheinen. Toleranz wäre gefragt, als sich die junge Türkin Yasemin in einen deutschen Jungen verliebt, während Sabrina, die Tochter der deutschen Familie, einen türkischen Jungen mag. Doch keine der beiden Familien toleriert die Wahl ihrer Kinder. Auch unter den Jugendlichen herrschen Vorbehalte gegen die jeweils anderen. Auf einer Party schließlich kommt es zu einer rassistisch-motivierten Schlägerei, über die auch später in der Schule noch diskutiert wird. Dort wird auch Sabrinas Vater gebeten, seine rechten Ansichten kundzutun. Die jedoch haben die Autoren auf die Spitze getrieben und entlarven sie damit als nichtig und nur genährt von falschen Vorstellungen, Vorurteilen und unreflektiertem Nachgeplappere. Gleichzeitig macht eine der rechtsradikalen jungen Frauen ihre ganz persönlichen Erfahrungen bei der türkischen Familie. Dort nämlich landet sie nach ihrer Partyschlägerei mit ihren Verletzungen, wird aufgenommen und versorgt. Am Ende ist geschafft, dass alle ihre Liebsten ihren Familien zumindest vorstellen dürfen. Die Erkenntnis, dass Vater und Freund der Tochter dieselbe Lieblingsspeise haben, ist ein erster Schritt auf dem Weg zur Verständigung…

Während des Stücks auf der sparsam ausgestatteten Bühne arbeiten die jungen Schauspieler mit vielerlei Effekten – die Handlung verfremden sie mit pantomimisch dargestellten Szenen, die andere Formen der Toleranz präsentieren: Toleranz gegenüber der Umwelt beispielsweise der Toleranz für den eigenen Körper – ein nicht zu unterschätzendes Thema bei jungen Erwachsenen. Die Dialoge waren nicht vollständig einstudiert, es war Raum für Improvisation und Spontaneität, den die Schauspieler gut nutzten.

Bei den Zuschauern aus den eigenen Reihen zeigten die Reaktionen, dass das Thema „Toleranz“ einen Nerv getroffen hat, die überzogene, karikative Darstellung kam sehr gut an. Für die jungen Schauspieler war die intensive Zusammenarbeit eine gute Erfahrung, wie sie berichten. „Es war schön, die Emotionen während der Erarbeitung des Stückes zu teilen – Gruppenzusammenhalt wurde gestärkt“, befand Alicia. „Ich bin anders – aber wer ist schon normal?“ – ein Theaterstück der Albert-Schweitzer-Schule, das eindrücklich den positiven Ansatz der Kurse Darstellendes Spiel unterstrichen hat.