• Verfasser: J. Merle
  • Thema: Allgemein
  • 0

Tag für die Literatur

Eine „Lesung der besonderen Art“ erwartete die Liebhaber Alsfelds, der Literatur und der Natur beim diesjährigen hessenweiten „Tag für die Literatur“ in der Aula der Albert-Schweitzer-Schule. Die Klasse 7c des Gymnasiums wartete mit einem abwechslungsreichen Programm unter dem Arbeitstitel „Umrahmt von Grün und Himmelblau“ auf und zeigte den über 90 Anwesenden welch kreative, originelle, aber auch lustige Ergebnisse aus der Begegnung und Auseinandersetzung von „Protagonisten der Neuzeit“ mit den Literaten des 17. und 18. Jahrhunderts resultieren können. Als „erstaunliche Leistung“ bezeichnete Dieter Welker, der Vorsitzende des Fördervereins der ASS, der alle Anwesenden im Namen der Schulgemeinde begrüßte, die Mühen der Schülerinnen und Schüler. Wo oft schon das spannende und einfühlende Vorlesen der Werke der Alsfelder Künstler eine Herausforderung darstellt, gingen die 22 Jungen und Mädchen der 7. Klasse noch einige Schritte weiter: nicht nur die Auseinandersetzung mit der alten Sprache und die Interpretation der Texte stand für sie in den letzten Wochen seit Ostern auf dem Stundenplan ihres Deutschunterrichtes bei Lehrer und Projektleiter Michael Rudolf – durch das Verfassen eigener Gedichte, Rollenspiele und Abfassungen setzten sich die jungen Künstler intensiv mit den Themen Literatur, Natur und der Alsfelder Geschichte auseinander und holten die Motive und Texte der alten Dichter in ihre Zeit. Dass dafür die reine Unterrichtszeit nicht ausreicht und die Schülerinnen und Schüler mit großem Engagement und hoher Motivation auch in ihrer Freizeit an dem Gelingen des Projektes arbeiteten, hob Rudolf eingangs lobend hervor.
Nach den Begrüßungsworten von Projektassistent Marc Schönhals, Studienreferendar an der ASS, Dieter Welkers sowie Projektleiters Rudolf, der die Anwesenden auch im Namen aller Kooperationspartner begrüßte und im gleichen Zug auch seinen Dank an diese richtete, führten die beiden Schülerinnen Vanessa Röhrig und Maria Zinn als Moderatorinnen durch das etwa eineinhalbstündige Programm. Ein projizierter fotografischer Rundweg durch die mittlerweile über 24.000 qm der Erlen sollte trotz des wetterbedingten Umzugs von den Erlen in die Aula nichtsdestoweniger die Natur mit in das Innere der Schule holen und den folgenden Beiträgen der Jugendlichen den passenden Rahmen geben.
Im ersten Beitrag präsentierten Michelle Erdmann, Vanessa Röhrig, Luca Marie Stork und Maria Zinn in einer neuen Art der Schauspielerei, einer Mischung aus Lesung, Schauspielerei und innerem Monolog, wie das schlimme Unwetter des Mais 1749 die Gründung des Erholungsnahraums der Erlen veranlassen konnte und welch großen Einfluss der Alsfelder Karl Dieffenbach darauf ausübte. „Pfingsten früher und heute“ verglichen hingegen Katrin Ammermann und Kathrin Eifländer, die sich auf Spurensuche nach Pfingstbräuchen und ihrer Bedeutung gemacht hatten. Im Anschluss präsentierten Jan Krist, Johanna Merle, Maria Schäfer und Can Ülkü in einer Lesung und einem Rollenspiel ihre Ergebnisse aus der Auseinandersetzung mit Frieda Bückings Gedicht „Pfingsten in der Schwalm“ und ihre Adaption des Textes in Form eines Rollenspiels über die notwendige Verteidigung der Schönheit und des Wertes der Natur gegenüber jenen, die diese mit Füßen treten.
Marie Babette Bastian, Laura Becker, Lea Bocksgorn und Janina Schleich informierten nach musikalischen Einlagen der Klasse und Anna Gischler am Klavier, über das Leben und Werk der wohl berühmtesten Alsfelder Literatin Johanna Merck und arbeiteten dabei in kurzen Lesungen, Interpretationen, einem Rollenspiel und einem Vergleich nicht nur die Unterschiede von Schule im 18. Jahrhunderts und Schule heute heraus, sondern zeigten an Beispielen ihrer nichts an Aktualität eingebüßten Originale auch den hohen Stellenwert der Natur in den Gedichten Johanna Mercks und deren Ambitionen darüber zu schreiben und die Werke auch zu veröffentlichen. Mit Gedichten aus Alsfeld und der Schwalm knüpften Anna Gischler, Kristin Kreuter, Benjamin Landenberger und Andreas Roth schließlich nahtlos an ihre Vorredner an und zeigten Selbiges in Biografie und Werk Johann Just Winkelmanns, beispielsweise in „Mein Heimatland, das Land der Schwalm“ und der Anekdote, wie ein Teil der Erlen zu einem Symbol der „Ewigen Liebe“ werden konnte.
Lennart Elsing, Malte Graulich, Tim Schneider und Marcel Trebert wechselten schließlich wieder den Modus operandi und belehrten das Publikum in ihrem selbstgeschriebenen Rollenspiel zwischen Lehrern und Schülern über das Leben Wilhelm Curtmans. Im Mittelpunkt standen außerdem mit „Die Grasprinzessin“ sowie „Ein schönes Erlebnis beim Spaziergang“ zwei seiner Kurzgeschichten und deren Interpretationen.
Besonders hervorzuheben sind schließlich noch die selbstgeschriebenen Gedichte von Malte Graulich, Kathrin Eifländer und Katrin Ammermann – von idyllischer Atmosphäre und vollendeten Worten bis hin zu lustigen und ironischen Reimen – die Schüler und Schülerinnen der Klasse 7c verstanden es gekonnt, das Leitthema „Natur“ in Szene zu setzen.
Neben dem gemeinsamen, zunächst etwas holprigen, aber durchaus charmanten Singen des Frühlingsklassikers „Es tönen die Lieder“, luden auch die von der Klasse ausgegrabenen alten Spiele „Taler, Taler, du musst wandern“ und „Mutter, wie viele Schritte darf ich gehen?“ in Aula und auf dem Schulhof Jung und Alt zum Mitmachen ein und leiteten über zu einem lockeren und beschwingten Ausgang des Nachmittags.
Cathrina Kristen