• Verfasser: Traudi
  • Thema: Allgemein
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Typisch Junge? Typisch Mädchen?

Mädchen spielen Barbie und posten auf Instagram ihre neuesten Styles, Jungs interessierten sich alle nur für Fußball und sterben für Horrorfilme und Star Wars – alles klar?

Geschlechterklischees gibt es viele, jeder und jede von uns hat seine Vorstellungen davon, was typisch Mädchen oder typisch Junge ist. Wie kommen solche Klischees zustande? Wie werden sie in der Öffentlichkeit bedient? Und sind sie eigentlich wahr? Die Presse-AG (mit einer Frauenquote von 100%) der Albert-Schweitzer-Schule ging diesen Fragen nach und startete mit einem kleinen Brainstorm.

Und siehe da, Klischees fanden wir zuhauf:

Mädchen achten mehr auf ihr Äußeres, während das für Jungs nicht so wichtig ist. Deshalb brauchen Mädchen auch mehr Zeit im Bad. Sie gehen gerne shoppen und sorgen sich ständig um ihre Figur. Mädchen müssen mehr im Haushalt helfen als Jungs. Sie haben eine schönere Handschrift und sind in der Schule häufig ehrgeiziger und fleißiger als ihre Mitschüler. Und angeblich sind Mädchen besser in Sprachen, Jungs besser in Mathe und Naturwissenschaften. Viele Mädchen mögen Pferde, Mädchen sprechen mehr als Jungs und angeblich kichern sie. Dafür sind Jungs in der Regel lauter als Mädchen, und sie prügeln oder raufen sich gern, wie man in den Klassenräumen und auf den Schulhöfen wohl beobachten kann. Während Mädchen viel in sozialen Netzwerken unterwegs sind, spielen die Jungs eher am Computer. Sie mögen Krimis, Horrorfilme und Star Wars, und bei Instragram posten sie Bilder von Autos und Sportlern, während Mädchen dort Sprüche oder Styles platzieren.

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Welche Klischees stimmen?

Ob das wohl alles stimmt? Unsere Beobachtungen beruhten natürlich auf unserer eigenen Wahrnehmung, also schauten wir uns um: Wie sehen Mädchen- bzw. Jungsbilder in der Öffentlichkeit aus? Wir untersuchten Zeitungen , Bücher und Fernsehsendungen. Zum Thema Sprachen vs. Mathe und Naturwissenschaften schauten wir einfach mal bei unseren Lehrern nach, ob die Klischees sich bei ihnen bewahrheiten. Wir hatten einige Vermutungen. Zum Beispiel, dass die Fächer Sprachen, Kunst und Biologie eher Frauen unterrichten und dass Männer eher die Fächer Mathe, Physik, Chemie und Geschichte unterrichten. Das Ergebnis der Stichprobe der Albert-Schweitzer-Schule Alsfeld war zunächst nicht ganz eindeutig. Zwar war der sprachliche Bereich wirklich ganz klar den Frauen zuzuordnen und der mathematische ganz klar den Männern, bei den Naturwissenschaften dominierten zunächst auch die Lehrerinnen. Im gesellschaftlichen Feld waren allerdings eindeutig die Männer die führend. Also dröselten wir das Ganze noch ein wenig weiter auf und stellten fest, dass es im naturwissenschaftlichen Bereich frauendominierte Felder gibt, nämlich Biologie und Chemie, während Physik eine Männerdomäne ist. Im gesellschaftlichen Bereich – Powi, Religion, Geschichte und Erdkunde – sahen wir, dass Frauen lieber Religion unterrichten, Männer lieber Powi und Geschichte.

…im Fernsehen

Was gab es im Fernsehen zu entdecken? Wo werden Klischees bedenkenlos aufgegriffen? Wir schalteten mal zu Germany’s Next Top Model:

Germany’s Next Topmodel, auch kurz GNTM genannt, ist eine deutsche Castingshow des Senders ProSieben, die vor allem die Zielgruppe jugendlicher Mädchen anspricht. Das selbsterklärte Ziel der Sendung, die von Heidi Klum moderiert wird, ist es, Deutschlands „nächstes Topmodel zu finden“. Die Kandidatinnen treten in speziellen „Challenges“ gegeneinander an, und es finden mehrere Foto-Shootings unter einem ungewöhnlichen Motto statt. Am Ende jeder Folge bestimmt die Jury, welche Kandidatinnen aufgrund ihres Talents und ihrer Entwicklung in die nächste Runde kommen. Die Siegerin der Show erhält einen Modelvertrag, Sachpreise wie einen Kleinwagen und ist auf dem Titelblatt einer Ausgabe der Cosmopolitan, einem bekannten Lifestyle-Magazin, zu sehen. Die Serie erntete zuletzt viel Kritik, unter anderem soll sie Essstörungen mancher jungen Zuschauerinnen begünstigen. Außerdem würden die Kandidatinnen wie „Ware“ behandelt. Die Castingshow greift die üblichen Klischees auf, die den Frauen zugeschrieben werden. Die Kandidatinnen sind meist zickige, immer gestylte und geschminkte „Tussis“, die gerne shoppen und lästern, teilweise auch schnell anfangen zu heulen und reden wie ein Wasserfall.

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Auch immer wieder gern genommen – die Daily Soap. Am dienstältesten und am bekanntesten ist dabei natürlich „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. Welche typischen Charaktereigenschaften von Männern und Frauen werden hier aufgegriffen?

Gute Zeiten, schlechte Zeiten („GZSZ“) wird seit 1992 beim deutschen Privatsender RTL montags bis freitags im Vorabendprogramm ausgestrahlt. GZSZ gilt als erfolgreichste deutsche Fernsehserie. Das beste Beispiel für einen typischen Mann ist Wolfgang Bahro. Er spielt in der Serie den Joachim Gerner, auch Jo genannt. Gerner ist ein Geschäftsmann und ein Rechtsanwalt. Er hat seine eigene Kanzlei und ist auf seine eigenen Interessen bedacht. Gerner stand schon drei Mal vor dem Traualtar und war zwei Mal verlobt. Außerdem hatte er schon mehrere Beziehungen und Affären. Was man sich bei Jo Gerner nicht vorstellen kann ist, dass er einen sehr ausgeprägten Familiensinn hat. Dennoch hat er ein großes Herz für Kinder, da er eine eigene Tochter hat. Ein gutes Beispiel für eine typische moderne Frau ist Ulrike Frank. Sie spielt bei „GZSZ“ die Frau von Jo Gerner. Ihr Name ist Katrin Flemming. Da sie eine Affäre mit Gerner hatte, wurde sie ungewollt schwanger. Sie heiratet Jo zum Wohl des Kindes. Katrin ist aber auch eine knallharte Geschäftsfrau. Sie arbeitete lange Zeit als Innenarchitektin. Ebenso war sie lange Zeit Eigentümerin eines Lifestyle-Magazins. Sie ist sehr zielstrebig. Katrin Flemming sehnt sich allerdings auch des Öfteren nach Liebe und Geborgenheit, was sie leider nicht so offensichtlich zeigt.

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Medienwissenschaftler haben das Bild von Männern und Frauen in Film und Fernsehen natürlich intensiv beleuchtet. Unsere Recherchen hierzu ergaben, dass besonders in Filmen die Geschlechterrollen ausgeprägt dargestellt werden. Schauspielerinnen und Schauspieler müssen ihre Figur – und die damit verbundene Geschlechterzugehörigkeit – gut verkörpern oder „performen“. Dadurch erhalten nicht nur Jugendliche idealisierte Vorstellungen, wie „Mann“ bzw. „Frau“ zu sein oder auszusehen hat. Mädchen werden charakterlich eher warm, fürsorglich und sozial dargestellt, Jungs eher stark, aggressiv und wettbewerbsorientiert. Männer werden oft in reiferem Alter dargestellt, bei den Frauen hingegen sind es eher jüngere Schauspielerinnen unter 35 Jahren. Männer sind auch seltener verheiratet und haben seltener als Frauen Kinder. Doch wie ist es bei dem Beruf? Männer haben einen durchschnittlich höheren Berufsstatus als Frauen, wenn Frauen jedoch auch in einer höheren Position dargestellt werden, dann meistens an der Seite eines Mannes. Frauen repräsentieren außerdem auch weniger als 15% der Businessleute, der politischen Figuren oder der Angestellten im wissenschaftlichen, technologischen oder mathematischen Bereich.

… in der Literatur

Auch die Literatur ist natürlich nicht frei von Klischees, wie eine sehr willkürliche Auswahl aus der Schulmediathek gezeigt hat. Hier haben wir einige Stichproben vorgenommen und stellten fest, dass in den modernen Mädchenbüchern wie „Handy-Liebe“ von Bianka Minte-König oft die Jungs als nervig, unwissend und unfreundlich beschrieben wird. In dem Buch „Fremder auf dem Pferdehof“ von Sarah Bosse geht es – natürlich um Pferde und wieder darum, wie toll die Mädchen sind. Jungs werden hier als unordentlich und hippelig dargestellt. Vermutlich lesen die daher auch lieber Jungsbücher. Ein Klassiker ist „Star Wars“. Wir haben uns den Roman von Terry Brooks angesehen, der nach einem Drehbuch von George Lucas entstanden ist. Dort stehen männliche Akteure im Vordergrund. Und die werden sehr konzentriert und mutig dargestellt. Die Mädchen sind Lehrlinge und tauchen erst spät in der Handlung auf. Mutig und berühmt sind auch die Protagonisten in dem Comic „Tim und Struppi“ von Georges Remi alias Hergé. Dort werden Frauen als „im Weg stehend“ bezeichnet, anders als die Jungs, die in der kompletten Handlung die Hauptrolle spielen. Allerdings muss man dazu sagen, dass die erste Ausgabe von „Tim und Struppi“ bereits im Jahr 1929 erschien.

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Zu guter Letzt die Zeitschriften – „Bravo“ hat ja schon so einige hauptsächlich Mädchengenerationen geprägt. Und es gibt sie immer noch. Eine Ausgabe sogar speziell für Mädchen, die „Bravo Girl“, und eine eher für Jungs, die „Bravo Sport“. Breits daran kann man erkennen, wen hier was interessiert oder interessierten soll. Viele, viele Styling-Tipps, von der richtigen Schminke bis zum richtigen Outfit finden sich hier Woche für Woche für Mädchen, in der „Original-Bravo“ allerdings auch für Jungs. Wie im Zeitschriftenmarkt grundsätzlich zu ersehen, scheint es viel mehr Zeitschriften für Mädchen zu geben, die sich mit Promis, Aussehen und Klatsch und Tratsch beschäftigen. Jungs sollen, wenn sie Zeitung lesen wollen, eher zu Sportzeitungen oder auch zu mehr sachlichen Zeitungen greifen wie beispielsweise die „GEOlino“ oder „Dein Spiegel“. Ganz kleine Mädchen können mit der Zeitschrift „Prinzessin Lillifee“ schon mal ihre Prinzessinnenrolle üben größere mit „Lissy“ vom Pferdehof träumen, für Jungs stehen „Sponge Bob“, „Bob der Baumeister“ und später „Die Simpsons“ als Zeitungsformat bereit.

(Quellen: http://www.mediamanual.at/mediamanual/workshop/gender/grundlagen.php
http://www.lehrer-online.de/1059461.php
Bettina Boekle, Michael Ruf, „Eine Frage des Geschlechts: Ein Gender- Reader“, Verlag für Sozialw., Wiesbaden 2004

Fotos:
Titelbild: www.kika.de, Jungsbild: www.urbia.de, GNTM: www.prosieben.de, GZSZ: www.rtl.de, Mädchenbild: www.n24.de)

Von Bettina Bohler, Paulina Eifert, Lea Hamel, Ina Kneußel, Jasmin Mensdorf, Julia Schieb, Franziska Simon, Emilia Strempel, Stella Weitzel und Sarah Krack