Viel mehr als Rouladen vs. Paella

Seit 2010 gehört sie zum Angebot der Albert-Schweitzer-Schule: Spanisch kann man hier als zweite Fremdsprache wählen und sich damit weltweit einen großen Sprachraum erschließen. Nun war es Zeit, den Schülerinnen und Schülern, die die Sprache im dritten und vierten Jahr erlernen, die Möglichkeit zu geben, diese nicht nur im Unterricht, sondern im richtigen Leben auszuprobieren. Dazu fand direkt nach den Sommerferien ein Austausch mit dem Colegio Santo Tomás de Villanueva statt, einem Gymnasium in einer der faszinierendsten Städte Spaniens, in Granada. Organisiert hatten Fahrt und Programm die beiden Fachlehrerinnen Susanne Homola und Veronika Saez gemeinsam mit einer spanischen Kollegin.

„Jugendkultur in Spanien und Deutschland“ war das Thema, das die 17 spanischen Jugendlichen im Alter von 14 und 15 Jahren gemeinsam mit ihren deutschen Gastgebern erarbeiten sollten. Sie taten dies während einer Woche, die sie in Alsfeld verbrachten. Sie lebten in den Familien der Alsfelder Schülerinnen und Schüler und erlebten dort nicht nur den Alltag und die Gepflogenheiten in deutschen Familien, sondern teilten auch den Schulalltag. Eine große Rolle spielte in dieser Zeit auch das kulturelle Programm: die jungen Spanierinnen und Spanier lernten nicht nur Alsfeld kennen, sondern unternahmen gemeinsam mit den deutschen Schülerinnen und Schülern Exkursionen zum Point Alpha, zur Wartburg, nach Fulda, Marburg und Frankfurt. Ein großes Spektrum also, das noch vom individuellen Angebot in den Familien ergänzt wurde: so traf man zahlreiche Spanier mit ihren Gastfamilien am Hoherodskopf zum Klettern oder besuchte gemeinsam eine Kirmes. Eine bunte Auswahl an Aktivitäten, die auch die deutschen Jugendlichen gleich im Anschluss in Spanien erlebten. Sie reisten nämlich gemeinsam mit ihren Gästen ab und verbrachten eine ganze Woche in Granada. Dort standen mit dem Besuch der Alhambra und den Höhlen von Nerja natürlich sehr beeindruckende Punkte auf dem Programm. Die Schülerinnen und Schüler lernten aber auch den Unterricht in Spanien kennen – das „Agustinos“ ist eine sehr große Schule, die unter kirchlicher Trägerschaft Kinder ab drei Jahren bis zum Abitur aufnimmt. Ungewohnte Erfahrungen also, die beide Seiten mit dem Alltag ihrer Austauschpartner machten – und dazu zählt natürlich auch das Essen! Nicht nur, was es gibt, sondern auch die Uhrzeiten unterscheiden sich in beiden Ländern sehr. „Kennt ihr Siesta“, war beispielsweise eine der ersten Fragen, die ein spanischer Schüler seiner Gastfamilie stellte. Und Rouladen mit Semmelknödeln und Rotkohl wurden auf der einen Seite genauso kritisch beäugt wie Paella mit Miesmuscheln und Tintenfisch auf der anderen. Es ging also viel um Unterschiede und Gemeinsamkeiten während der beiden Austauschwochen. „Für die jungen Spanier war es beispielsweise völlig überraschend, mit welcher Selbstverständlichkeit die Deutschen davon ausgehen, später mal einen Job zu bekommen, während sie sich einer Jugendarbeitslosigkeit von 50% stellen müssen“, so eine Erfahrung aus dem Austausch.

Im Fokus des Aufenthalts stand natürlich auch die Sprachpraxis. Da die spanischen Schülerinnen und Schüler kein Deutsch lernen, war die Projektsprache in Deutschland Englisch. In Spanien dagegen hatten die Alsfelder Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, ihre zweite Fremdsprache endlich einmal vor Ort und im richtigen Leben auszuprobieren. „Die Schülerinnen und Schüler haben erkannt, dass sie mit ihrer zweiten Fremdsprache durchaus in der Lage sind, den Alltag zu bewältigen. Und durch die englischsprachige Phase in Deutschland und die spanischsprachige Phase in Granada haben sie ihre beiden Fremdsprachen ausüben können und gemerkt, wie selbstverständlich Kommunikation damit stattfinden kann“; erläuterte Susanne Homola.

Die Schülerinnen und Schüler bewerteten alle ihren Austausch im Anschluss als sehr gewinnbringend: sie hätten viel über das Leben der anderen gelernt und würden jederzeit gerne wieder kommen und auch hinfahren. Sie waren stolz darauf, ihre anfängliche Scheu abgelegt zu haben und viele Erfahrungen machen zu können. „Wir haben gelernt, dass die Kulturen unterschiedlich, aber interessant sind“, hieß es in einer gemeinsamen Präsentation, „wir konnten andere Wertvorstellungen kennenlernen und entscheiden, was wir davon übernehmen oder sein lassen, ohne diese zu bewerten.“

Die Absicht, mit einem Austausch also nicht nur die Sprachkompetenz zu erweitern, sondern auch den persönlichen Hintergrund eines jungen Menschen, ist also mehr als geglückt.

Die Partnerschaft und der Austausch mit dem Colegio Santo Tomás de Villanueva in Granada soll natürlich fortgesetzt werden, wie Susanne Homola ankündigt: „Es ist wichtig, dass junge Menschen sich mit einer anderen Sprache, einem anderen Land und einem anderen Leben konfrontieren und üben können, darin zu bestehen.“