Vom Mathematikum über ein Wasserwerk zum Point Alpha und zurück

Sie besteht seit September vergangenen Jahres – die Partnerschaft der Albert-Schweitzer-Schule mit dem Henry-Baker-College in der südindischen Provinz Kerala. Damals besuchte eine Abordnung aus Alsfeld die Partnerschule, um den Vertrag zu unterzeichnen sowie Projekte und Ziele zu erarbeiten. Nun reiste erstmals eine Delegation des indischen Colleges in die Fachwerkstadt: fünf Dozentinnen und Dozenten sowie fünf Studentinnen und Studenten hatten sich auf den weiten Weg gemacht, um über zwei Wochen lang Land, Leute, Kultur und Gesellschaft besser kennenzulernen.

Und es war kein schmales Programm, das die verantwortlichen Lehrer der Albert-Schweitzer-Schule in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Dekanat für ihre Gäste zusammengestellt hatten: So standen ein Empfang beim Bürgermeister auf der Agenda, ein Besuch in der Neuen Arbeit, der kirchlich-kommunalen Gesellschaft für berufliche Integration, und natürlich auch Stadtführungen in Alsfeld und Fulda. Die Führung in Alsfeld wurde von Alexander Reinsch, die in Fulda von Volker Zähme durchgeführt. Beide sind Mitglieder der Schulgemeine der Albert-Schweitzer-Schule. Über Alsfelds Grenzen hinaus lernten die Gäste Gießen und das dortige Mathematikum kennen und machten gemeinsam mit den ebenfalls in dieser Zeit in Alsfeld weilenden Austauschschülern aus dem spanischen Granada eine Fahrt zu Point Alpha und zur Wartburg: die Geschichte Deutschlands ist vielschichtig und sowohl politisch als auch religiös geprägt. Neben Sightseeing gab es auch viele sehr informative und lehrreiche Termine.

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Susanne Bolduan, Umweltingenieurin, und Klärmeister Ralf Schönhals demonstrierten anschaulich die Prozesse in einer Kläranlage

Entwicklungspolitisches Thema des Aufenthaltes der indischen Delegation war das Wasser. Dieses wurde in einer großen Bandbreite erarbeitet: ein Besuch bei den Wasserwerken in Fulda, eine Führung bei Förstina Brunnen in Eichenzell, die Besichtigung einer konventionellen Kläranlage in Lauterbach und einer Pflanzenkläranlage bei Schloss Eisenbach standen hier auf dem straffen Terminplan, der dennoch auch Zeit ließ für eine kleine Stadtführung in Schlitz. In ihre Heimatstadt hatte Schulleiterin Elisabeth Hillebrand ihre indischen Lehrerkollegen eingeladen. Dort besuchte sie mit ihnen die Landesmusikakademie, wo sie zwei wunderbaren musikalischen Aktionen beiwohnten, sowie die Lebensgemeinschaft in Sassen.

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Zum vielfältigen Programm der indischen Delegation gehörte auch eine Besichtigung der Landesmusikakademie in Schlitz.
Direktor Lothar R. Behounek und Dr. Volker Puthz empfingen die Delegation bereits auf der Treppe.

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Die indischen Gäste waren begeistert von der Qualität der Früchte aus biologisch dynamischen Anbau auf dem Hofgut Sassen

Selbstverständlich erlebten die Gäste aus Kerala auch den deutschen Unterricht: sie hospitierten in unterschiedlichen Schulstunden, nahmen an Projektarbeiten zum Thema Wasserqualität unter der Leitung der Fachkollegen Tatjana Rausch und Falk Miron der Alber-Schweitzer-Schule teil und versüßten den deutschen Lehrkräften ihre Lehrerkonferenz mit einer Reihe indischer Tänze und feinen indischen Desserts. In diesem Rahmen übermittelte Schulleiterin Dr. Aneyamma Abraham die Grüße ihres Bischofs. Die Kirche Südindiens (CSI) – Church of Southindia- ist Träger und Manager des Colleges. Weitere Grüße via Videobotschaft wurden vom ehemaligen Schulleiter, Dr. Abraham Daniel, übermittelt, der in seiner Amtszeit die Partnerschaft initiierte und die Alsfelder Delegation im letzten Jahr noch als Schulleiter empfangen hat. Die jetzige Schulleiterin dankte den Alsfeldern für ihr Engagement bei der Realisierung des Partnerschaftsprojekts.

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Schulleiterin Dr. Aneyamma Abraham überbrachte auch via Videoeinspielung die Grüße von Würdenträgern aus Kerala

Während des Abschiedsfrühstücks in der Albert-Schweitzer-Schule taten sich alle Beteiligten zusammen und pflanzten gemeinsam einen Apfelbaum im Streuobstgarten der Schule. Auch in Indien hatte die Gruppe bereits einen Baum gepflanzt – zwei schöne Symbole an zwei Enden der Welt für eine fruchtbare und anhaltende Zusammenarbeit!

Das Henry-Baker-College liegt in der südindischen Provinz Kerala, seit vielen Jahren bereits kooperiert die dortige Church of South India mit dem Evangelischen Dekanat in Alsfeld. Unter seinem kirchlichen Träger spricht das College besonders diejenigen jungen Menschen an, für die es aufgrund ihrer sozialen Herkunft in Indien eher schwierig ist zu studieren. Ziel der Partnerschaft mit der Albert-Schweitzer-Schule ist eine Förderung des interkulturellen und globalen Lernens: Schülerinnen, Schüler und Studierende sollen die Menschen in ihrer Partnerregion kennenlernen, deren soziales, kulturelles und religiöses Leben verstehen lernen, lernen mit kulturellen Unterschieden umzugehen und ihren persönlichen Horizont erweitern und lernen global zu denken und zu handeln. Ein Plan, der nachhaltig angelegt ist. So sollen auch nach den ersten gegenseitigen Besuchen die Kontakte per Internet aufrechterhalten und Projekte kontinentübergreifend erarbeitet werden.

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 Mit indischen Tänzen unterhielten zwei Studentinnen der Gruppe die Lehrerinnen und Lehrer der Albert-Schweitzer-Schule