Reiten in der Schule

Das Pferd, so schrieb der Schriftsteller Clemens Laar einmal, sei der beste Erzieher des Menschen. Es bilde zur Wahrhaftigkeit aus. Ganz so hoch muss man es nicht hängen, aber eine Studie der Deutschen Reiterlichen Vereinigung belegt, dass Reiten den Charakter prägt und reitende Kinder in hohem Maß von ihrem Hobby profitieren. Mit der Liebe zum Pferd entwickeln sie Verantwortungsgefühl, Zuverlässigkeit und Disziplin. Der Vierbeiner lehrt Empathie und Einfühlungsvermögen. Reiten bringt Kinder in Bewegung und fördert Balance und Feinmotorik. Gleichzeitig verbindet es uns mit der Natur.

Seit dem Jahr 2009 bereits bietet die Albert-Schweitzer-Schule ihren Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit im Rahmen einer AG den „Umgang mit dem Pferd“ zu erlernen. Für dieses Projekt kooperiert sie mit dem Ländlichen Reit- und Fahrverein (LRV) und unterstreicht damit auch die Bedeutung der Zusammenarbeit von Schule und Vereinen, die gerade in Zeiten von Ganztagsprojekten an Schulen eine immer wichtigere Rolle spielt.

„Durch die Arbeit und den Kontakt mit Pferden erlernen Schülerinnen und Schüler Verantwortung zu übernehmen, entwickeln ihre eigene Persönlichkeit und erwerben so eine Steigerung ihres Selbstbewusstseins“, betonte die ehemalige hessische Kultusminsisterin Dorothea Henzler bei der Unterzeichnung der Rahmenvereinbarung im Dezember 2009 zwischen dem hessischen Kultusministerium und dem Hessischen Reit- und Fahrverband (HRFV). Mit dieser Rahmenvereinbarung werden alle hessischen Reitvereine finanziell gefördert, die mit ganztägig arbeitenden Schulen eine Kooperation eingehen.

Das Interesse von Schüler- und Elternschaft an Schulprojekten mit Pferden ist sehr hoch, umso schöner ist es, dass die Kooperation zwischen dem Reitverein Alsfeld und der ASS es nun ermöglicht, Kinder aus allen sozialen Schichten ans Pferd zu bekommen, auch die, die von Hause aus sonst keine Möglichkeit haben. Von großem Vorteil ist dabei, dass die Reithalle in Alsfeld fußläufig zu erreichen ist und die Kinder direkt von der Schule aus gemeinsam dorthin laufen können. Die Albert-Schweitzer-Schule verfügt darüber hinaus über eine eigene Ausbilderin mit einer Trainer-A-Qualifikation, zudem können die Kinder und Jugendlichen die erstklassigen Schulpferde und die hervorragende Infrastruktur des LRV nutzen. Auf große Resonanz stoßen bei den jungen Reiterinnen und Reitern auch die regelmäßig stattfindenden Schulmannschaftswettbewerbe.

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Was kann man mit und von den Pferden lernen?

Pferde haben ein klar strukturiertes Sozial- und Hierarchieverhalten. Der Mensch übernimmt beim Umgang mit dem Pferd dabei eine Führungsrolle als Ranghöherer, als „Chef“. Die „Führung“ muss für Pferde „echt“ und verständlich sein. Dafür ist eine klare Sprache zum Pferd nötig, die über Körperhaltung, Gestik und Tonlage der gesprochenen Sprache ausgedrückt wird. Ist das nicht der Fall, steigt das Unfallrisiko. Die Wahrnehmung der Pferde ist dabei der des Menschen weit überlegen – ihr klares Feedback schonungslos ehrlich. Pferde reagieren immer authentisch und zeigen gleich Fehler auf. Das ist anders als bei uns Menschen im Alltag und macht sie deshalb zu einem ausgezeichneten Spiegel für menschliches Führungsverhalten. Pferde decken so Stärken und Entwicklungsmöglichkeiten der Personen auf, die sie betreuen.

Der Umgang mit Tieren hat generell einen positiven Einfluss auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Insbesondere aber das Erlernen des respektvollen und konsequenten Umgangs mit dem Pferd fordert ein sicheres Auftreten und überlegtes Handeln. Pferde verfügen über eigene Persönlichkeitsmuster, die es dem Schüler ermöglichen, diese zu erkennen, sich auf das Pferd als Partner einzulassen und mit ihm zu kommunizieren. Die sich daraus bildende Vertrauensbildung bietet für heranwachsende Jugendliche eine gute Grundlage zur Entwicklung des Selbstwertgefühls und des Verantwortungsbewusstsein.

Des weiteren kommt beim Reiten auch die Bewegungslehre nicht zu kurz, wobei vor allem auf Körperspannung und Körperhaltung im Einklang mit der Bewegung des Pferdes geachtet wird. Der Umgang mit dem Pferd sowie das Bewegen auf dem Pferd beanspruchen den Schüler ganzheitlich da alle Sinne angesprochen werden.

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Was bietet der WU-Kurs „Umgang mit dem Pferd“?

Der Kurs „Umgang mit dem Pferd“ der ASS spricht Schüler der Jahrgangsstufe 5 bis 8 mit und ohne Pferdeerfahrung an. Hier soll v.a. das richtige Handling und das korrekte Auftreten mit dem Pferd erlernt werden. Auch das Reiten kommt nicht zu kurz. Dabei sind immer zwei Schüler pro Pferd oder Pony eingeteilt, die sich beim beim Putzen und Satteln sich gegenseitig helfen und unterstützen. Geleitet wird der Kurs von Frau Dr. Ulrike Laube, Lehrerin an der ASS, die zugleich über eine Trainer- A-Lizenz im Schwerpunkt „Reitausbildung“ verfügt. Neben der klassischen Reitlehre, Pflege, Haltung und Fütterung wird auch theoretisches Wissen vermittelt, so lernen die jungen Reiterinnen und Reiter auch die typischen Verhaltensmuster der Pferde kennen. Am Ende eines Schuljahres werden eine praktische und eine theoretische Prüfung abgelegt; je nach Leistungsstand kann dann das kleine oder große Hufeisen erworben werden (nach heutigem Stand sind das die Reitabzeichen 6-10).

Was sind die Ziele des WU Kurses „Umgang mit dem Pferd“?

  • Im Stall und in der Reithalle wird mit den Tieren gearbeitet und gelernt anschließend in der Theorie wird reflektiert und vertieft. Ziel ist es, dass die Jugendlichen den korrekten Umgang mit dem Pferd soweit beherrschen, um angstfrei und sicher auftreten zu können.
  • Es müssen hierfür bestimmte feste Regeln gelernt und umgesetzt werden (Regelverständnis)
  • Konzentration, Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen werden dabei automatisch geschult (umsichtiges Handeln lernen)
  • Das Erlernen einer Körpersprache um mit den Pferden zu kommunizieren. (Beobachten und daraus resultierendes konsequentes Handeln)
  • Daraus resultiert: Eine Vertrauensbasis zum Partner Pferd herstellen können: Keine Angst mehr empfinden müssen, da die Schüler dann gelernt haben, dass der gegenseitige Respekt und die couragierte Annäherung Vorrang haben.
  • Soziale Kompetenzen stärken:in Beziehung mit dem Partner Pferd sein, aber Grenzen setzen und Klarheit schaffen. Schritt für Schritt sich mit eigenen Stärken und Schwächen auseinandersetzen und Persönlichkeitskompetenzen festigen.
  • Das soziale Miteinander unter den Jugendlichen wird gefördert (Teamfähigkeit), sowie auch die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen.

Presse: Hier geht es zum Pressebericht über das Reitabzeichen im Schuljahr 2014/2015

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Das_Pferd_vierbeiniger_Lehrer

Neue_Wege_zum_Pferd_-_Moeglichkeiten_im_Schulsport_2014